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Kein Bedarf für Schuldnerberatung?

Bei Jens Menne steigt der Blutdruck, wenn er von rund 30 000 überschuldeten Haushalten in Dortmund liest. Der Kaufmann ist erster Vorsitzender des Vereins Schuldnerhilfe mit Sitz im Gerichtsviertel, an der Schwanenstraße 79.

Seit Mitte 2005 hat sich der Verein neu strukturiert. Ihm gehören 24 Mitglieder an, darunter auch sechs Juristen, die u. a. mit Insolvenzrecht befasst sind, ferner Diplom-Sozialpädagogen und ein Betriebswirt, der beruflich mit der Wiedereingliederung sozial schwieriger Fälle im Job betreut ist. Für Menne sind das beste Voraussetzungen, sich als eine weitere offizielle Schuldnerberatungsstelle in Dortmund anerkennen zu lassen.

Bei den vier anerkannten Stellen bestehen Wartelisten, eine fünfte könnte für Entlastung sorgen, aber das sehen die offiziellen Stellen offenbar anders. Der Antrag der Schuldnerhilfe bei der Landesregierung in Düsseldorf wurde abgelehnt. Menne glaubt, hiermit sollen lediglich zusätzliche Kosten abgewiegelt werden, denn das Land ist Hauptfinanzier für die bereits existierenden Beratungsstellen. Weil er sich über die Lippenbekenntnisse von Politikern ärgert, die das Thema Armut in Deutschland wohl nur zu Profilierungszwecken benutzen, schrieb er in Berlin Minister und Bundestagsabgeordnete an, die öffentlich versprochen hatten, sich des Themas anzunehmen. Bestenfalls wurde Menne vertröstet.

Zwei, die sich nun kümmern wollen, stammen aus Dortmund. Es sind die Bundestagsabgeordneten Marco Bülow und Ulla Burchardt. Mit Bülow ist ein Treffen vereinbart, Burchardt schrieb zurück, sie habe SPD-Ratsfraktion und ARGE um Stellungnahme gebeten. Beim Sozialamt der Stadt kam der Verein nicht weiter. In Schreiben, die der Redaktion vorliegen, heißt es u. a. "diesbezügliche Vereinbarungen bestehen mit verschiedenen Anbietern von Schuldnerberatung in Dortmund. Die Sozialversicherung geht davon aus, dass damit insgesamt der bestehende Beratungsbedarf abgedeckt wird." Jens Menne glaubte, nicht richtig gelesen zu haben: "Bedarf gedeckt? Bei 30 000 überschuldeten Haushalten?" Die Schuldnerhilfe wickelte zwar im vergangenen Jahr 39 Insolvenzverfahren ab in Kooperation mit den Juristen, aber dafür mussten die Betroffenen auch zahlen - notfalls in Raten. Der Vorsitzende: "Ohne die Anerkennung sind wir immer in einer Grauzone. Da wollen wir raus." - bö

Quelle: Ruhr Nachrichten vom 12. Januar 2007

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