Benutzerspezifische Werkzeuge
Sie sind hier: Startseite Soziale Lage / Sozialpolitik Dortmund speziell Kommunale Politik / Parteien Einsparungen: Angst vor neuen Alkoholexzessen

Einsparungen: Angst vor neuen Alkoholexzessen

Die Falken schlagen Alarm. Drei ihrer Jugendeinrichtungen können die von der Stadt angedrohten Einsparungen von acht Prozent nur kompensieren, wenn sie öfter schließen. Dann drohen neue öffentliche Saufgelage, warnen die Betreuer.

Das „Time Out” an der Meylantstraße in Wickede, das „Chill” an der Dörwerstraße in Nette, der Kinder- und Jugendtreff an der Siepmannstraße in Kirchlinde – sie haben etwas gemeinsam: einen problematischen Einzugsbereich. Als immer weniger los war in ihrem Umfeld, machten aktionsdurstige Jugendliche draußen die Nacht zum Tag.

Saufmeile Hellweg

Am Schlimmsten traf es Wickede. An Wochenenden wurde der Hellweg zur Saufmeile. Exzessive Alkoholgelage sorgten für eine explosive Mischung. Großaufgebote von Polizei und Ordnungsamt patrouillierten durch die Straßen. Alkoholleichen, Gewalt, Platzverweise, Festnahmen – ein hochprozentiger Winter.

Drei Jahre ist das jetzt her. Als damals das „Time Out” öffnete, war der Name Programm für Teenies und Jugendliche. Meist sind es Kids zwischen 16 und 17, die hier eine Auszeit nehmen. Einige bringen ihr Bier mit. Sie dürfen das auch. „Eine, höchstens zwei Flaschen unter Aufsicht sind erlaubt”, sagt Betreuer Klaus Schlichting. Aber es gibt Regeln. „Wer mit Wodka kommt, geht wieder. Wer Alkohol einschmuggelt, bekommt Hausverbot.”

Der Geist in der Flasche

Die Besucher haben das akzeptiert. Aber der böse Geist könnte wieder aus der Flasche kommen, befürchten die Falken. Wenn die Stadt tatsächlich bei der Jugendarbeit acht Prozent kürze, müssten die Betreiber rund 9000 Euro an den drei Standorten einsparen. Das hätte Folgen. „Wir müssten das 'Time Out' vier Wochen schließen”, sagt Rainer Hüls, Vorsitzender des Falken Bildungs- und Freizeitwerkes Dortmund – und warnt vor einem „Salto rückwärts mit unabsehbarem Verlauf”.

Das „Chill” in der JFS Nette bliebe künftig an Sonntagen dicht, wenn der Rotstift des Kämmerers es will. „Das wäre katastrophal”, weiß JFS-Leiter Robert Austmann. Seit die Kids unter Obhut „chillen”, ist es sehr viel ruhiger geworden rund um das Schulzentrum Nette. Früher lagen schwere Wodka-Wolken über den Plätzen, auf denen sich die meist aus GUS-Staaten stammenden Jugendlichen des Viertels vergnügten. Heute zählen sie zum Stammpublikum im „Chill”. „Es ist ihr zweites Wohnzimmer geworden”, sagt Austmann und zitiert aus der Hausordnung: „Keine Gewalt, keine Waffen, keine Drogen, kein harter Alkohol.”

Im Kinder- und Jugendtreff Kirchlinde träfe es die Kleineren besonders hart. Dort fiele nicht nur die mobile Spielstätte weg. Auch ein Projekt zur Berufswahlfindung wäre unter Sparzwang geplatzt.

Was will die Politik?

„Es ist eine Frage des politischen Willens”, erinnert Schilling an die Unterstützung der zuständigen Bezirksvertretungen für die einzelnen Projekte. Jetzt sei es an der Zeit, Farbe zu bekennen, meint auch Hüls. „Die Politik sollte genau überlegen, was es mit dem Diktum auf sich hat, in Kinder, Jugend und Zukunft zu investieren.” Sofern sich die Stadt aus der Verantwortung ziehe, blieben die Falken mit einem Scherbenhaufen zurück – „wie ein Konkursverwalter”, so Hüls.

Quelle: WR vom 15.03.10

Artikelaktionen