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Kinderarmut in Deutschland

Kinderarmut hat in der BRD eine historisch neue Dimension erreicht. Seit Einführung von Hartz IV ist die Zahl der von Armut betroffenen Kinder auf eine Rekordsumme von 1,7 Millionen gestiegen., d.h. in Deutschland ist jedes fünfte Kind arm. Das sagt der Wochenbericht des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung.

Aber Kinderarmut in Deutschland? So etwas gibt es bei uns doch nicht, mag sich da so mancher denken! Doch die Realität sieht anders aus: Hier geht es nicht um 5-Jährige, die für einen Teller Suppe Steine schleppen müssen. Armut in reichen Ländern ist unauffälliger.

Regelsätze von Hartz IV bzw. Sozialhilfe sind so niedrig angesetzt, da reicht eine einzige Ausgabe außer der Reihe und die Schraube beginnt sich nach unten zu drehen.

Ich kenne einen Fall, wo ein Kind zum Sprachförderunterricht über Mittag in der Schule bleiben sollte. Die Mutter konnte die 40 Euro Essensgeld aber nicht aufbringen, weil das Kind dringend neue Schuhe brauchte.
Für Schuhe sind aber nur ganze 4,55 Euro im Monat drin. Also, um ein Paar Winterstiefel für 60 € anzuschaffen, muss man mehr als ein Jahr ansparen. An bald fällige Sommerschuhe wagt man da ja noch gar nicht zu denken.

Für Sport- und Freizeitveranstaltungen z.B. sind im Kinderregelsatz von 13-jährigen inzwischen stolze 3,76 Euro im Monat enthalten. Davon kann Ihr Kind einmal im Monat Eislaufen, aber ohne sich Schlittschuhe ausleihen zu können, für monatlich einen Hallenbadbesuch ohne Pommes reicht es auch. Mitgliedschaft in einem Sportverein aber ist nicht drin.

Für Kinder, die von Arbeitslosengeld II oder Sozialhilfe leben müssen, ist vieles Tabu, was für andere selbstverständlich ist: Musikunterricht, Turnen im Sportverein, Zoobesuch oder Computerkurs. Und von einem Konzertbesuch bei ihrer Lieblingsband können sie eh nur traümen.

Für Kinder, die vom Hartz IV – Regelsatz leben müssen stellt sich außerdem die Frage: wie vermeide ich Schwarzfahren? Denn die meisten Schüler ab Klasse 5 können ihre Schule nicht zu Fuß erreichen. Für öffentliche Verkehrsmittel sind im Regelsatz von 13-jährigen 8,42 € im Monat drin. Ein Schokoticket für Dortmunder Schüler kostet aber bis zu 21,85 € monatlich. Also, was tun? Radfahren wär ja auch noch ne Möglichkeit!

Aber woher nehmen wenn nicht stehlen?

Im Regelsatz von 2006 waren für das Fahrrad eines 13-jährigen inkl. Zubehör 1 € im Monat enthalten. Bis man da ein Fahrrad für 100 Euro angespart hat, ist die Schulzeit längst vorbei.

Und wenn die Eltern mal wieder die Klassenfahrt nicht bezahlen können, kann man immer noch sagen man will ja gar nicht mitfahren.

Apropos Schule: Bald kommt ja auch wieder die Zeit der Einschulung, auf die sich viele Kinder schon freuen.
Doch etlichen Eltern dürfte dieser Termin wohl eher Kopfschmerzen machen. Denn Schulranzen, Schultüte, Turnbeutel, Turnkleidung, Federmappe und Schreibhefte addieren sich schnell zu 180 Euro. Wie soll dies bei einem Kinder-Regelsatz von 207 € im Monat bestritten werden?

Dies sind nur einige wenige Aspekte zum Thema Kinderarmut in Deutschland.

Die finanziellen Verhältnisse in Haushalten, die Sorgen haben, wie sie über die Runden kommen sollen, bieten mit Sicherheit keine günstige Grundlage für die Bildungs- und Entwicklungschancen unserer Kinder.

Unsere Kinder sind unsere Zukunft, und sie verdienen bessere Chancen , als den Start in ihr Leben mit Armut zu beginnen!

Beitrag für die Bürgerfunksendung des Dortmunder Sozialforums, März 2007

Die Sendung anhören.

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